700 Muslime im Gebet

Dieses Foto vom Ikea-Parkplatz Wetzlar geht um die Welt

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700 Menschen beten auf dem Parkplatz - und die ganze Welt schaut zu: In Wetzlar haben Muslime gemeinsam, aber mit Abstand, das Ende des Fastenmonats Ramadan gefeiert. Die Bilder machen die Runde - bis in die USA.

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Rund 700 Menschen kamen am Sonntag auf dem Ikea-Parkplatz in Wetzlar zusammen, um gemeinsam das Ende des Fastenmonats Ramadan zu feiern.Bild © Ditib Wetzlar/Facebook

Die mediale Aufmerksamkeit könnte kaum größer sein. Der BBC aus Großbritannien war die Aktion einen großen Online-Artikel wert. Sie zitierte dabei die kanadische Journalistin Carly Agro, die auf Twitter schreibt: "Wow! Diese Liebe und Freundlichkeit ist es, was die Welt gerade braucht." Auch die US-Nachrichtenseite "Now This", der allein auf Twitter rund 2,5 Millionen Accounts folgen, hatte ein Video von der Aktion geteilt.

Am vergangenen Sonntag hatten sich in Wetzlar rund 700 Muslime auf dem örtlichen Ikea-Parkplatz versammelt, um das Ende des Ramadan zu feiern - und diese Bilder gingen um die Welt.

Einer der Veranstalter der Aktion war die Ditib-Gemeinde, der Verband steht der türkischen Regierung nahe. Für die Veranstaltung sei ein Hygienekonzept eingereicht worden, sie habe aber als Gottesdienst nicht ausdrücklich genehmigt werden müssen, sagte ein Stadtsprecher.

In der Moschee wäre nicht genug Platz gewesen

In Wetzlar freut man sich über die internationale Anerkennung für das ungewöhnliche Ende eines durch das Coronavirus ungewöhnlichen Fastenmonats. Hüseyin Demirel, Vorsitzender des Ausländerbeirats und ehemaliger Vorsitzender der Ditib-Gemeinde, sagte dem hr, international Gehör zu finden sei "eine gute Sache".

Noch viel wichtiger sei aber die Erleichterung unter den Gläubigen gewesen, dass sie das Ende des Ramadan gemeinsam hätten feiern können. "Und in den 3.000 Quadratmeter großen Ditib-Räumlichkeiten hätte das echte Probleme gegeben," sagt Demirel.

So habe keiner der Gläubigen Angst vor Corona haben müssen. Auch Mitglieder der bosnischen und der jemenitischen Gemeinde hätten so gemeinsam mit den anderen im Freien das Fastenbrechen zelebrieren können - jeder mit seinem eigenen Gebetsteppich und dem nötigen Sicherheitsabstand.

Anmelder war auch die Gemeinschaft Milli Görüs

Insgesamt wurde die Veranstaltung nach Angaben der Stadt im Namen von drei Moscheegemeinden angemeldet, darunter auch der umstrittenen Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG).

Einzelne Ortsvereine der IGMG in Hessen ordnet der Verfassungsschutz der islamistischen Milli-Görüs-Bewegung zu (siehe auch den hessischen Verfassungsschutzbericht 2018, ab S. 182). Der Bundesverfassungsschutz (ab Seite 224) weist allerdings darauf hin, dass sich die IGMG insgesamt aus der Einflussnahme der türkischen Milli-Görüs-Bewegung löst und die Extremismusbezüge schwächer würden. In Wetzlar ist die Gemeinde im Ausländerbeirat vertreten. Ihr Vorsitzender Kadir Terzi sagte dem hr, auch er sei über das internationale Echo "sehr überrascht und erfreut".

Hinweis der Redaktion: In einer ersten Version dieses Textes hieß es, Hüseyin Demirel sei Vorsitzender der Ditib-Gemeinde. Dieses Amt hat er aber nicht mehr inne, er ist nur noch Mitglied der Gemeinde. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.