Tödliche Schüsse: Flüchtiger Straftäter hielt Mutter Messer an Hals

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Bei der Festnahme wurde einer der beiden Geflüchteten durch eine Kugel tödlich getroffen. Foto: -/dpa © Foto: -
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Die psychiatrische Klinik in Bedburg-Hau im nordrhein-westfälischen Kreis Kleve. Foto: Arnulf Stoffel /dpa © Foto: Arnulf Stoffel

Früher Abend, schönes Wetter, Eltern sind mit ihren Kindern auf den Spielplatz in der Aachener Parkanlage gekommen.
Inmitten dieser entspannten Feierabendsituation plötzlich Angst und Entsetzen: Zwei Männer laufen auf eine Mutter zu, einer hält ihr von hinten ein Messer an den Hals. So schildern die Ermittler am Mittwoch die Ereignisse vom Vorabend.
Beide Männer sind aus einer Psychiatrie für Straftäter aus dem rund 150 Kilometer entfernten Bedburg-Hau bei Kleve geflohen. Sie gelten als gewaltbereit. Polizisten sind ihnen in Aachen auf den Fersen. In der bedrohlichen Lage fallen zwei Schüsse. Lebensgefährlich verletzt bricht der Mann mit dem Messer zusammen. Er stirbt im Krankenhaus. Die Schilderungen von Oberstaatsanwältin Katja Schlenkermann-Pitts machen die Dramatik deutlich.
Die beiden 37 und 43 Jahre alten Männer waren wegen einer Suchterkrankung zur Behandlung in Bedburg-Hau untergebracht. Der 43-Jährige war wegen besonders schweren Raubes zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt worden. Der 38-Jährige hatte wegen schweren Raubes drei Jahre und acht Monate erhalten, berichtet das nordrhein-westfälische Sozialministerium in Düsseldorf. „Für beide Straftäter wurde daneben die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt angeordnet.“
Die Männer kamen so im Oktober und Dezember 2019 in den Maßregelvollzug in Bedburg-Hau, wurden in einer gesicherten Station untergebracht - im Gegensatz zu Patienten, die Ausgang erhalten und auf ihre Entlassung vorbereitet werden. Bei ihrer Flucht am Montagabend aus der Psychiatrie sollen sie einen Pfleger mit einem Messer bedroht und ihn gezwungen haben, den Pförtner unter falschem Vorwand die Schleuse öffnen zu lassen.
Bei dem Messer handelte es sich nach ersten Erkenntnissen der Ermittler um ein Küchenmesser. Das Messer sei dem 37-Jährigen in der Klinik für den Eigenbedarf ausgehändigt worden, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Kleve. Den Angaben nach musste der bedrohte Pfleger an der Pforte anrufen und ankündigen, er werde mit zwei Patienten den Müll vor der Station entsorgen. Beim Gang aus der Psychiatrie sei dem Pfleger dann das Messer in den Rücken gehalten worden, sagte der Sprecher.
„Einschätzbare“ Patienten könnten Messer gegen Unterschrift für den Zeitraum der Zubereitung von Speisen ausleihen, hatte zuvor eine Ministeriumssprecherin die Regeln in der Klinik erläutert. Für den Maßregelvollzug sei „eine größtmögliche Annäherung der Unterbringung an allgemeine Lebens- und Arbeitsverhältnisse“ vorgeschrieben.
Nach Angaben des kommunalen Landschaftsverbands Rheinland (LVR), der die Klinik betreibt, ist es der vierte gravierende Fall seit 2016 in Bedburg-Hau. Laut Ministerium war der vorangegangene Ausbruch aus der dortigen Klinik vor drei Jahren.
Die beiden Männer stammen nach dpa-Informationen aus Aachen. Die Polizei hat bei der Fahndung daher dort bekannte Adressen im Auge - zumal im Umfeld auch das Fluchtauto gefunden wird. Hundertschaften sind im Einsatz. Wie genau die Ermittler den beiden dann auf die Spur kommen, sagt die Staatsanwaltschaft nicht. Jedenfalls laufen Polizisten ihnen am Dienstagabend hinterher. Bis zum Spielplatz. Hin zu der Mutter. Eine Horrorsituation. Die Frau bleibt körperlich unversehrt.
Laut Staatsanwaltschaft fordern die Polizisten den 37-Jährigen mit vorgehaltener Waffe mehrfach auf, die Frau gehen zu lassen - ansonsten würden sie schießen. Die Männer fordern dagegen, man solle sie ziehen lassen. Beide Polizisten schießen auf den 37-Jährigen. Der andere lässt sich festnehmen. Gegen die Polizisten besteht kein Anfangsverdacht einer Straftat, wie Schlenkermann-Pitts erklärt. Die Beamten hätten in einer klaren Nothilfelage geschossen. Ob beide Kugeln tödlich waren, soll die Obduktion klären.
In der Forensik in Bedburg-Hau sind nach LVR-Angaben 416 Patienten im Maßregelvollzug - auf eigentlich nur 382 Plätzen. Praktisch überall in Deutschland bestehe ein sehr hoher Aufnahmedruck, vor allem im Suchtbereich, erläutert eine LVR-Sprecherin. In Bedburg-Hau bleiben Rechtsbrecher mit Suchterkrankungen in der Regel etwa zwei Jahre, bis sie ihre Krankheit im Griff haben, keine Gefahr mehr für die Gesellschaft sind und entlassen werden können.