Trump-Postings fallen bei Twitter-Faktencheck durch - jetzt droht er Online-Netzwerken mit Schließung 

Streit eskaliert

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US-Präsident Trump und der Mediendienst Twitter lieferten sich einen heftigen Schlagabtausch. Grund war ein Faktencheck für zwei Trump-Tweets.

Update vom 27. Mai 2020, 14.25 Uhr: Nachdem zwei Tweets des US-Präsidenten Donald Trump beim Faktencheck des Twitter-Konzerns durchgefallen sind hat Trump am Mittwoch mit der Schließung von Online-Netzwerken gedroht - und zwar via Twitter. In dem Online-Dienst schrieb der US-Präsident, dass republikanische Politiker das Gefühl hätten, „dassSocial-Media-Plattformen konservative Stimmen komplett zum Schweigen bringen“. Weiter kündigte er an: „Wir werden sie streng regulieren oder schließen, bevor wir das jemals zulassen werden.“  

Trump fällt bei Twitter-Faktencheck wegen haltloser Briefwahl-Behauptung durch

Erstmeldung vom 27. Mai 2020:

Washington - Diese Postings gingen für US-Präsident Donald Trump wohl nach  hinten los: Am Dienstag (Ortszeit) tat Trump seine ganz persönliche Meinung zu Briefwahlen beim sozialen Netzwerk Twitter. Ihm zufolge seien Briefwahlunterlagen nichts anderes als betrügerisch. „Briefkästen werden ausgeraubt, Stimmzettel gefälscht und sogar illegal ausgedruckt und betrügerisch unterschrieben“, schreibt Trump im ersten seiner beiden Tweets, in denen er sich über die in vielen anderen Ländern schon lange übliche Art des Wahlvorgangs* auslässt.

Trump vs. Twitter: Faktencheck im sozialen Netzwerk läuft für den Präsidenten nicht gut

„Dies wird eine manipulierte Wahl sein“, ist sich Trump* in seinem zweiten Tweet sicher und kündigt an: Mit ihm nicht („No way!“). Mehr als 80 Millionen Menschen folgen dem US-Präsidenten bei Twitter und lesen die Informationen, die dieser tagein, tagaus verbreitet. Doch schon wiederholt gab es in der Vergangenheit Vorwürfe, Trump würde fragwürdige Behauptungen, Fehlinformationen oder Halbwahrheiten im Netz verbreiten. Nun hat Twitter erstmals die Präsidenten-Postings einem Faktencheck unterzogen - und stellt ihm ein äußerst schlechtes Zeugnis aus. 

„Trump hat fälschlicherweise behauptet, Briefwahl-Stimmzettel würden zu einer manipulierten Wahl führen“, stellte Twitter direkt unter Trumps Post durch einen verlinkten Kommentar richtig. Und weiter: „Experten sagen, dass die Briefwahl nur sehr selten mit Wahlbetrug in Verbindung steht.“ Auch die Behauptung Trumps, Kalifornien würde Stimmzettel jedem zuschicken, der im Staat lebte, „egal, wo sie herkommen oder wie sie dorthin gekommen sind“, bezeichnete das soziale Netzwerk als falsch und betonte, dass nur registrierte Wähler Stimmzettel erhalten würden.

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In diesem Kommentar stellte Twitter Trumps Aussagen richtig. © Screenshot: Twitter

Trumps Vorwürfe beziehen sich auf bevorstehende Wahlen in einem kalifornischen Bezirk für einen freigewordenen Sitz im Repräsentantenhaus in Washington. Der Gouverneur des US-Staates, Gavin Newsom, will wegen der Coronavirus-Pandemie bei der Wahl die Möglichkeiten der Stimmabgabe per Brief ausweiten.

Trump vs. Twitter: Mediendienst weist Behauptungen zurück - der Präsident reagiert

Twitter merkte an, dass laut dem Sender NBC News bereits in fünf Staaten komplett per Briefwahl gewählt wurde. Das Unternehmen verwies außerdem auf Berichte der Zeitung Washington Post, des Senders CNN und anderer Medien, welche die Behauptungen, die Briefwahl führe zu massivem Wahlbetrug, als „unbegründet“ zurückgewiesen hatten. 

Der US-Präsident reagiert prompt und uneinsichtig auf die Kritik. Twitter wolle nun die diesjährigen Präsidentschaftswahlen beeinflussen, wirft Trump dem Konzern vor. „Twitter unterdrückt die FREIE REDE völlig und ich als Präsident werde es nicht zulassen!“, kündigte er weiter an. Dennoch sah der Präsident aber zumindest vorerst keinen Anlass, auf die Nutzung des sozialen Netzwerks zu verzichten - denn den Schlagabtausch mit Twitter führte er auf Twitter

Trump vs. Twitter: Der Mediendienst hat Regeln gegen Fake News verschärft

Für Trump stellt Twitter einen der wichtigsten Kanäle für die Verbreitung seiner politischen Botschaften dar. Er benutzt den Dienst in der Regel mehrmals täglich und nicht selten dafür, seine politischen Gegner heftig zu attackieren, seine eigene Regierungsarbeit zu preisen und Verschwörungstheorien zu verbreiten. Twitter hatte bislang jedoch nie auf Falschinformationen in Trumps Postings verwiesen. 

Allerdings verschärfte das Unternehmen vor zwei Wochen seine Regeln gegen die Verbreitung von Falschbotschaften. Ein Konzernsprecher erklärte, die jetzige Twitter-Notiz zu den Trump-Postings über die Briefwahl in Kalifornien entspreche dem neuen Vorgehen des Unternehmens gegen irreführende Informationen. 

Auch interessant: Im Februar kam der US-Präsident aus einem ganz anderen Grund ebenfalls nicht gut im Netz weg. Ein Foto von Trumps Gesicht sorgte für Spott und Häme. 

cia mit AFP-Material

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