War's das? Favre heizt Spekulationen über seine Zukunft an

Lucien Favre heizte nach der Niederlage gegen Bayern München die Spekulationen über seine Zukunft bei Borussia Dortmund an. Ein Abschied im Sommer scheint nicht ausgeschlossen.

Als der Meistertraum wohl endgültig geplatzt war, heizte Lucien Favre die Spekulationen über seine Zukunft mit kryptischen Äußerungen an. "Das sagt man hier seit Monaten. Ich weiß, wie das läuft", sagte der Trainer von Borussia Dortmund bei "Sky" über die Kritik, er könne keine Titel holen. "Darüber", fügte der Schweizer an, "werde ich in ein paar Wochen sprechen."

Doch mit seinen Aussagen nach dem bitteren 0:1 (0:1) gegen Bayern München im Liga-Gipfel hat Favre die Büchse der Pandora geöffnet. "Favre weg, Niko Kovac kommt", sagte Rekord-Nationalspieler Lothar Matthäus spontan.

Zweifel an Favre wachsen

So schnell wird es dann aber doch nicht gehen. Abwehrchef Mats Hummels wäre zudem alles andere als begeistert, wenn er erneut Kovac als Coach vorgesetzt bekäme. Der Kroate hatte entscheidenden Anteil am Abschied des Weltmeisters von 2014 aus München.

Der BVB spielt unter Favre mit neun Siegen aus elf Spielen ungeachtet der Niederlage gegen die Bayern eine starke Rückrunde. Doch die Zweifel, dass Favre die Dortmunder zum ersehnten Titel führen kann, wachsen. In seiner bald zweijährigen Amtszeit scheiterte der 62-Jährige in den Cup-Wettbewerben (Champions League und DFB-Pokal) viermal bereits im Achtelfinale. Zudem verspielten die Dortmunder in der Liga in der vergangenen Saison einen Neun-Punkte-Vorsprung.

Favre schon in der Hinrunde angezählt

Angesichts hochkarätiger Verstärkungen im Sommer (Julian Brandt, Hummels, Thorgan Hazard) und im Winter (Erling Haaland, Emre Can) rief Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke für diese Spielzeit die Meisterschaft als Ziel aus. Doch in der Hinrunde wurde es bereits eng. Erst eine Systemumstellung und die damit verbundene verbesserte Defensive nach dem 0:4 in München und dem 3:3 gegen Paderborn retteten Favre den Job.

Doch an den Bayern beißen sich die Schwarz-Gelben bei sieben Punkten Rückstand und noch sechs ausstehenden Spielen anscheinend wieder die Zähne aus. Es werde schwer, brutal schwer, sagte Favre über die Aussichten im Meisterrennen.

Damit wächst wieder die Kritik an seiner Person. Er sei kein Titel-Trainer, lautet einer der Vorwürfe. Er stehe sich selbst im Wege, ein anderer.

Fehlte dem BVB der Mut?

Es bestehen daher Zweifel, ob Favre die hochtalentierte Mannschaft des BVB zu großen Triumphen führen kann. Mut und Emotionen werden bei dem Taktikfuchs vermisst. "Ich habe heute nicht den Mut gesehen. Diese Gier hat mir gefehlt. Zu einem Spiel gegen Bayern gehört Erfahrung, Robustheit. Ich hätte anders aufgestellt", kritisierte "Sky"-Experte Matthäus.

Der zur zweiten Halbzeit eingewechselte Can hatte auf einen Startelfeinsatz gehofft. "Der Trainer hat so entschieden, das muss man so akzeptieren. Es ist jetzt blöd gelaufen, hätten wir gewonnen, würden wir hier stehen und sagen, es war alles richtig. Jetzt kann man diskutieren", sagte der Nationalspieler.

Favre will sich nun erst einmal auf die letzten sechs Spiele konzentrieren. "Ich bleibe ruhig, ich vertraue mir", sagte Favre nach dem Geister-Gipfel. Doch ein Abschied im Sommer ist nicht mehr ausgeschlossen.