https://www.mz-web.de/image/36758878/2x1/940/470/b84aceb954a55dacf80cc797910974e3/wr/b-leiden-270520.jpg
Das Leiden der Bäume geht unvermindert weiter. Um so wichtiger ist jetzt das Anlegen von Brandschutzstreifen wie hier in der Annaburger Heide.Foto: Gückel
Waldbrandschutz in Annaburg

Gut gerüstet für heiße Phase

by

   •  Wie der Bundesforstbetrieb mögliche Feuer stoppen will.

Annaburg - Dem heimischen Wald geht es nicht gut. Auch wenn ihm wegen der Coronakrise derzeit nur wenig Aufmerksamkeit gebührt, sein Durst und das damit verbundene Sterben gehen unvermindert weiter. Zudem warten Borkenkäfer und andere Schädlinge nur darauf, um bei wärmeren Temperaturen ihr vernichtendes Werk weiter fortzuführen. Braune oder schon nadellose Kiefern gehören deshalb weiter zum alltäglichen Bild.

Der ausbleibende Regen, den Land- und Forstwirtschaft gleichermaßen dringend benötigen, bleibt absehbar wohl aus. „Kurze Schauer, wie wir sie hin und wieder einmal bekommen, helfen da nicht mehr. Was der Wald braucht, wären drei Wochen Regen“, beschreibt René Bruschke, Leiter des Betriebsbereiches Ost im Bundesforstbetrieb Mittelelbe, die Dramatik.

Angesichts dieses Zustands fürchten sich Forstexperten wie er und Waldbesitzer vor dem Sommer. Denn sollte der abermals so heiß und trocken werden wie in den Vorjahren, wird der Wald im wahrsten Sinne zum Pulverfass.

Wiederholungen unerwünscht

Das Anlegen von Brandschutzstreifen hat deshalb eine hohe Priorität. Im Rahmen des vorbeugenden Brandschutzes kommt dem neben der Überwachung durch Feuerwachtürme, Kamerasysteme, Streifendienste und Ähnliches eine große Bedeutung zu. „Für den Bereich der bundeseigenen Liegenschaft Annaburger Heide unterhält der Bundesforstbetrieb derzeit etwa 80 Kilometer Brandschutzstreifen unterschiedlicher Ausbaustufen.

Zudem haben wir im Zuge der Waldfunktionenkartierung der Bundeswehr knapp 260 Hektar Waldbestände mit Brandschutzfunktion ausgewiesen“, erläutert Bruschke. Die Waldbrände der vergangenen zwei Jahre sind allen Beteiligten noch immer in Erinnerung. Diese Szenarien zu verhindern, verlangt Ideen und die Bereitschaft, viel Geld in die Hand zu nehmen.

In der Annaburger Heide, so René Bruschke, werden in den kommenden Monaten deshalb mehrere Zehntausend Euro in die weitere Verbesserung des Wegesystems investiert. Diese Maßnahme kommt vor allem den Feuerwehren zugute, die im Falle eines Brandes im Einsatz sind. Darüber hinaus sollen in der Heide weitere Brandschutzstreifen gezogen werden. Je nachdem wo man sie anlegt, in einer Breite von drei bis 25 Metern. Für den Ausbau solcher Schutzstreifen testet der Bundesforstbetrieb derzeit verschiedene Verfahren, unter anderem den Einsatz einer oberflächlichen Forstfräse.

„Ziel ist die streifenweise Zerkleinerung von Ast- und Wurzelwerk, um das mögliche Weiterlaufen von Bodenfeuern zu verhindern“, betont Bruschke. Weitere Flächen sollen nach munitionstechnischer Freigabe durch die Bundeswehr auch tiefer bearbeitet werden.

Zu den ausgewiesenen Gebieten zählt neben anderen das 700 Hektar große Areal des von der Bundeswehr genutzten Schießplatzes. Er soll komplett umgrenzt werden, vornehmlich zum Schutz der anliegenden Ortschaften Groß Naundorf, Annaburg, Dautzschen und Züllsdorf. Auch hier soll die derzeit im Test befindliche Technik zum Einsatz kommen.

Ein Wittenberger Transportunternehmen, das der Bundesforst diesbezüglich seine Dienste anbietet, konnte die zuständigen Revierleiter bei Vorführungen bereits für sich gewinnen. „Das Ergebnis war überzeugend“, sagt Bruschke. Einzelne Areale der Annaburger Heide müssten vor dem Einsatz der Technik noch einmal einer Munitionsbewertung unterzogen werden. Nachweislich ist der Boden hier stark mit alten Munitionsteilen besetzt.

Zustimmung zur Kamera

Das Ziehen der Brandschutzstreifen, das Anlegen von Waldbrandschutzriegeln mit wenig brandgefährdeten Baumarten sowie das Bohren weiterer Löschbrunnen, auch im nichtmilitärisch genutzten Teil der Heide, sind anstehende Aufgaben für die Forstbehörde in der Annaburger Heide.

Für den weiteren Brandschutz hat zudem das Land Sachsen-Anhalt sein Interesse bekundet, auf dem Dach des alten Feuerwachturms am sogenannten Silberdamm eine Kamera zur Waldbrandüberwachung zu montieren. Die Bundeswehr als Eigentümerin der Fläche hat dem Ansinnen bereits zugestimmt. (mz)