Renault, Nissan und Mitsubishi

Für kriselnde Autoallianz gibt es kein Zurück

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Klares Zeichen: An der Zukunft französisch-japanischen Allianz gebe es ab sofort keine Zweifel mehr, sagt Renault-Boss Senard.(Foto: REUTERS)

Seit dem unrühmlichen Abgang ihres Gründers und Übervaters Carlos Ghosn kriselt es schwer in der Allianz der Autobauer Renault, Nissan und Mitsubishi. Mit einer neuen Strategie sollen alle Zweifel an ihrer Zukunft nun beseitigt und enorme Kosten eingespart werden.

"Wenn es Zweifel gegeben hat an dem Märkten", an der Zukunft der Autoallianz, erklärte Renault-Boss Jean-Dominique Senard, "dann ist das jetzt vorbei". Die neu vereinbarte Zusammenarbeit der Autokonzerne Renault, Nissan und Mitsubishi soll Senard zufolge in einigen Jahren enorme zusätzliche Synergien und Kosteneinsparungen bei Entwicklung und Herstellung bringen, aber mit sofortiger Wirkung soll sie jegliche Spekulationen über ein mögliches Auseinanderbrechen des kriselnden Bündnisses beenden. "Es kann keine Rückschritte geben", sagte Senard bei der Vorstellung der neuen Strategie. Mehr, nicht weniger Kooperation soll die Antwort sein - sowohl auf den weltweit im Zuge der Corona-Pandemie einbrechenden Autoabsatz wie auch auf den teils offenen Machtkampf zwischen den drei Partnern seit dem unrühmlichen Abgang des ehemaligen Renault-Chefs und Vaters der Allianz, Carlos Ghosn.

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Im Zentrum der Strategie, die die Dreier-Allianz bei einer Videokonferenz präsentierte, steht eine konsequentere Arbeitsteilung bei der Entwicklung neuer Fahrzeugtypen oder Technologien. Jeweils soll ein Partner die Führung übernehmen. Nahezu die Hälfte aller in der Allianz hergestellten Fahrzeuge sollen künftig nach diesem neuen "Leader-Follower"-Prinzip entwickelt und gebaut werden. Die Zahl der Plattformen, die als Basis für Fahrzeugmodelle der verschiedenen Marken der Partner dienen, soll reduziert werden. Die Entwicklungskosten sollen durch die systematischere Abstimmung mittelfristig um bis zu 40 Prozent sinken.

Mit der neuen Strategie ist auch die von dem früheren Konzernlenker Ghosn favorisierte Idee einer Fusion von Nissan und Renault endgültig vom Tisch. Damit wird der jahrelange Konflikt zwischen den durch Überkreuzbeteiligungen verflochtenen Partnern entschärft. Nissan hatte sich gegen eine mögliche Übernahme durch Renault heftig gewehrt.

Ghosn hatte die Allianz geschmiedet und vor allem auf hohe Absatzzahlen getrimmt. Der Fall Ghosn hatte das Bündnis in eine schwere Krise gestürzt - der Automanager war Ende 2018 wegen Untreue-Vorwürfen in Japan festgenommen worden und dann unter dubiosen Umständen in den Libanon geflüchtet. Senard machte deutlich, dass sich das Bündnis in der Krise auch von der von Ghosn vorgegebenen Expansionsstrategie verabschiedet. Die Allianz, die mit dem Anspruch angetreten war, größter Autohersteller der Welt zu werden, lag beim Absatz 2019 mit rund zehn Millionen Fahrzeugen weltweit hinter den Branchenriesen VW und Toyota.

Wegen der Corona-Krise und des damit verbundenen Absatzeinbruchs braucht Renault im Heimatland einen staatlich garantierten Kredit von fünf Milliarden Euro. Es wird erwartet, dass der Konzern in den kommenden Tagen umfangreiche Sparpläne vorstellt. Berichten zufolge ist die Schließung mehrerer Werke im Gespräch. Auch Nissan geht es nicht gut - am Donnerstag wird der Konzern seine Jahresbilanz vorlegen, und die dürfte düster aussehen.