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Renault, Nissan und Mitsubishi erneuern ihre Allianz

In ihrem ersten Bündnis unter Ex-Autoboss Carlos Ghosn hatten sich die drei Konzerne 2017 noch das ehrgeizige Ziel gesetzt, bis 2022 der größte Automobilhersteller der Welt zu werden - jetzt geht es um das Überleben in der Coronakrise.

Der französische Autobauer Renault und die japanischen Kraftfahrzeughersteller Nissan und Mitsubishi wollen ihre Allianz erneuern. "Es wird Umstrukturierungen geben, es wird feste Kostensenkungen geben, es wird eine Reihe von Projekten geben, die reduziert werden", sagte eine mit dem Plan vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch.

Die Bekanntgabe sowie Details der Partnerschaft sollen am Mittwoch um 8.00 Uhr MEZ in einer gemeinsamen Pressekonferenz vorgestellt werden.

In ihrem ersten Bündnis unter Ex-Autoboss Carlos Ghosn hatten sich die drei Konzerne 2017 noch das ehrgeizige Ziel gesetzt, bis 2022 der größte Automobilhersteller der Welt zu werden - jetzt geht es um das Überleben in der Coronakrise: Die Gewinne sinken bei allen drei Automobilherstellern, Tausende von Arbeitsplätzen sind gefährdet, Renault und Nissan kündigten noch in dieser Woche Umstrukturierungspläne an. Es wird erwartet, dass sich die überarbeitete Allianz jeweils auf die Produktion eines bestimmten Fahrzeugtyps konzentrieren wird. "Der Plan wird einen positiven Unternehmensgeist haben, der auf einem klaren Leader-Follower-System und auf der wechselseitigen Entsprechung der Unternehmen basiert", sagte ein mit den Vorgängen bei Renault vertrauter Insider.

Seit der Verhaftung und dem anschließenden Sturz des Vorsitzenden und Chefarchitekten des Dreier-Bündnisses, Carlos Ghosn, versuchen die Fahrzeughersteller, ihre Partnerschaft zu überarbeiten: Jahrelange Streitigkeiten über Kostenteilung und Kapitalstrukturen führte dazu, dass es dem Bündnis bisher weitgehend nicht gelungen ist, ihre globale Größe in einen Wettbewerbsvorteil umzuwandeln, der über die gemeinsame Beschaffung von Teilen hinausgeht. Ghosn setzte sich zuvor für eine vollständigen Fusion ein, die Nissan vehement ablehnte.

Der französische Staat, der bereits 15 Prozent an Renault hält, wird nun ein nicht ganz so stiller Partner in der Allianz: Der französische Fahrzeughersteller strebt fünf Milliarden Euro an staatlich garantierten Krediten an, um den Einbruch infolge der Coronavirus-Pandemie zu überstehen. Im Gegenzug fordert die französische Regierung, dass Renault in Elektrofahrzeuge, fortschrittliche Batterien und andere Technologien investiert, um Arbeitsplätze in Frankreich zu schaffen.

Schwelende Spannungen

Eine weitere große Frage wird der Platz des deutschen Autobauers Daimler in der Allianz sein. Daimler trat 2010 der französisch-japanischen Partnerschaft bei und versprach Kosteneinsparungen für zukünftige Transporter, Kleinmotoren und Pick-up-Trucks. Aber gemeinsame Projekte sind seitdem weniger geworden.

Auch die Struktur der Unternehmensbeteiligungen sorgt für Gesprächsbedarf: Renault hält 43 Prozent an Nissan, Nissan 15 Prozent an dem französischen Autoproduzenten, aber keine Stimmrechte, seit Renault 1999 seinen größeren Partner vor dem finanziellen Ruin bewahrte.

Unterschiede in den drei verschiedenen Unternehmenskulturen und schwelende Spannungen über die Kapitalstruktur der Allianz, stellt Nissan, Renault und Juniorpartner Mitsubishi vor Herausforderungen. Allianz-Chef Jean-Dominique Senard betonte Anfang des Jahres, dass die drei Autohersteller "keine andere Möglichkeit" hätten, als die Zusammenarbeit zu vertiefen. Doch hochrangige Insider des Bündnisses sagten, dass alle Gespräche über eine ausgewachsene Fusion vorerst auf Eis gelegt sind.

(APA/Reuters)