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Enges Spiel: Der Frankfurter Martin Hinteregger (links) im Zweikampf gegen Roland Sallai. reuters© REUTERS
Gute Leistung, aber nur 3:3

Eintracht Frankfurt gegen Freiburg: Wildwest ohne Happy End

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Eintracht Frankfurt schießt 39-mal auf das Freiburger Tor, muss am Ende aber mit einem 3:3 zufrieden sein, weshalb der Abstiegskampf nun Realität ist.

Wieder nichts mit dem ersehnten Dreier. Auch am Dienstagabend blieb Eintracht Frankfurt sieglos und hat es verpasst, einen Schritt aus dem Schlamassel zu machen. Gegen den SC Freiburg kamen die Hessen nicht über ein Remis hinaus, am Ende eines rasanten und unterhaltsamen Wildwestspektakels im Stadtwald hieß es 3:3 (1:1). Es war eine einigermaßen verrückte Partie, die die Eintracht aufgrund einer Hülle an Torchancen eigentlich hätte gewinnen müssen, zum Schluss aber heilfroh sein musste, überhaupt noch einen Zähler erhascht zu haben. Denn zwischenzeitlich lag die Mannschaft von Trainer Adi Hütter scheinbar aussichtslos mit 1:3 zurück. Und das, obwohl die Eintracht fast schon unglaubliche 39 Torschüsse abgab – „und 25 hundertprozentige Torchancen hatte“, wie Rechtsaußen Timothy Chandler ein klein wenig übertrieb.

Eintracht Frankfurt aber zeigte Moral und holte nach fünf Niederlagen in Serie immerhin mal wieder einen Punkt. Die Luft wird dennoch immer dünner. Die Realität in Frankfurt heißt Abstiegskampf.

Die Spieler waren jedenfalls bedient nach dem 3:3. „Ich kann mit dem Punkt überhaupt nicht zufrieden sein. Wir hatten sieben, acht Hundertprozentige, die unsere Stürmer verwerten müssen“, monierte Verteidiger Stefan Ilsanker. „Wir hätten gewinnen müssen, der Punkt ist zu wenig“, pflichtete ihm Chandler bei.

Trainer Adi Hütter hatte seine Mannschaft erwartungsgemäß umgekrempelt, mit fünf Niederlagen im Gepäck blieb ihm im Grunde auch nichts anderes übrig. Der Österreicher kehrte zur früheren Ausrichtung zurück, nominierte eine Dreierabwehrkette mit Makoto Hasebe als deren Kopf. Der Japaner führte das Team auch aufs Feld, weil Kapitän David Abraham verletzungshalber doch passen musste. Im Angriff setzte Hütter erstmals wieder auf zwei Spitzen, Bas Dost stürmte an der Seite von André Silva, dahinter sollte Daichi Kamada für die kreativen Momente sorgen. „Wir denken, dass wir damit sehr offensiv aufgestellt sind“, sagte Hütter.

Die Praxis korrespondierte dann tatsächlich mit der Theorie, nach anfänglichen Schwierigkeiten fanden die Frankfurter besser ins Spiel und erarbeiteten sich peu à peu so viele Chancen, wie sie in den vorherigen Partien zusammen nicht hatten. Es war teilweise schon grotesk, wie viele und qualitativ hochwertige Gelegenheiten die Frankfurter da in hoher Frequenz ausließen. Der Freiburger Keeper Alexander Schwolow, der Teufelskerl zwischen den Stangen, avancierte zum echten Spielverderber. Den Anfang machte der spielfreudige André Silva, der nach einer starken Balleroberung von Sebastian Rode aber viel zu lange zögerte und den Ball schließlich zu Filip Kostic ablegte, der aber abgeblockt wurde (7.).

So ähnlich ging es weiter, die Eintracht, bei der überraschenderweise auch Lucas Torro aufgeboten wurde, in der Halbzeit aber schon wieder in der Kabine blieb, spielte gewiss nicht die Sterne vom Himmel, aber sie arbeitete sich in die Partie hinein und kaufte den anfangs überlegenen Breisgauern den Schneid ab. Kostic (13.) und Dost (16.) vergaben aber früh, die beste Möglichkeit eröffnete sich nach 21 Minuten erneut dem Niederländer Dost, der aber verzog. Auch hier hätte indes der starke Sebastian Rode schon vorher abschließen können und nicht querspielen müssen. Sei’s drum.

Und dann kam es, wie es so oft kommt, just, als die Platzherren sich immer besser einfanden, schlugen die Freiburger zu. Vincenzo Grifo, in grauer Vorzeit mal beim kleinen Nachbarn FSV am Bornheimer Hang am Ball, tanzte Verteidiger Ilsanker aus und erzielte durch einen von Hasebe leicht abgefälschten Schuss das 0:1 (28.). Ein Nackenschlag.

Doch die Hessen ließen sich dieses Mal nicht aus der Bahn werfen, sie antworteten mit wütenden Angriffen, und es spielte ihnen in die Karten, dass sie nicht lange brauchten, ehe der Ausgleich fiel. Regisseur Kamada scheiterte an Keeper Schwolow, doch den Abpraller verwertete Silva per Kopf zum 1:1 (33.). Es war der Auftakt zu einem fulminanten Schlussspurt, der quasi bis zum Schlusspfiff anhielt.

Es war im Anschluss wie verhext, die Eintracht, bei der Mittelfeldspieler Djibril Sow nach zwei denkbar matten Auftritten aus dem Kader geflogen war, konnte versuchen, was sie wollte, die Kugel wollte einfach nicht über die Linie. Egal, ob Kostic (40.), Kamada (43.), nach der Pause dann Silva (46.), Kamada (53.), Silva (55.), Martin Hinteregger (56.) oder Dost und Silva im Duett (64.) – sie alle brachten es fertig, gute, sehr gute oder exzellente Tormöglichkeiten nicht zu verwerten. Es war abenteuerlich.

Die Breisgauer konnten sich natürlich bei ihrem Torwart bedanken, der über sich hinauswuchs. Und der seinen Vorderleuten Sicherheit gab. Diese nutzten sie für so manch zaghaften Entlastungsangriff, und weil es sich im Fußball ja wirklich nicht selten rächt, wenn man vorne alles verballert, war es auch dieses Mal so: Nach einem Foul von Stefan Ilsanker war es Nils Petersen, der den Gastgebern per Kopf eine kalte Dusche verpasste (67.), und nur zwei Minuten später machte Lucas Höler per Konter das 3:1 für den Sportclub. Verkehrte Welt im Stadtwald.

Immerhin zeigten die Frankfurter Moral, gaben sich nicht auf, der eingewechselte Mijat Gacinovic scheiterte an Schwolow (78.), doch kurz darauf schaffte Kamada den Anschluss. Die Eintracht blieb am Drücker, mit wilden Angriffen berannte sie den Freiburger Kasten, und nach einer Flanke von Kostic war es der eingewechselte Timothy Chandler, der mal wieder seinen Torriecher unter Beweis stellte und zum 3:3 einnetzte (82.).

Die Platzherren wollten nun mehr, die letzten Reserven, die sie im Tank hatten, mobilisierten sie und drängten auf den Siegtreffer. Der wollte aber nicht mehr fallen. Und so wird sich die Eintracht wohl auf einen ungemütlichen Kampf gegen den Abstieg einstellen müssen. Ausgang ungewiss.