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Indiens Premierminister Modi (l.) hat wegen der gespannten Lage zu China ein Sicherheitstreffen anberaumt

Quelle: AP

Faustkämpfe zwischen indischen und chinesischen Soldaten – Trump will vermitteln

Im Himalaja ist es zu einer militärischen Konfrontation zwischen Indien und China gekommen. Soldaten sollen sich bei Truppenbewegungen Chinas Faustkämpfe und Wortgefechte geliefert haben. US-Präsident Trump bietet an, den Vermittler zu spielen.

Indische und chinesische Soldaten sind in der Hochgebirgsregion Ladakh im Himalaja aneinandergeraten. China habe Anfang des Monats große Truppenkontingente in von Indien kontrolliertes Gebiet geschickt, die dort Zelte aufgestellt und Posten errichtet hätten, sagten indische Regierungsbeamte. Die Soldaten hätten Warnungen ignoriert. Es sei zu Wortgefechten, Steinwürfen und Faustkämpfen gekommen. Auch in Sikkim, östlich von Nepal, habe es eine Konfrontation gegeben.

General Manoj Mukund Naravane sagte indischen Medien, es habe in beiden Gegenden Verletzte gegeben – wegen des aggressiven Verhaltens auf beiden Seiten. Premierminister Narendra Modi hat wegen der Lage in dieser Woche bereits ein hochrangiges Sicherheitstreffen abgehalten. US-Präsident Donald Trump bot sich am Mittwoch per Tweet als Vermittler an.

Die USA seien „bereit, willens und fähig“, in dem „momentan tobenden Grenzstreit“ zwischen China und Indien zu vermitteln. Das Verhältnis der US-Regierung zu Indien gilt derzeit aber als deutlich besser denn jenes zu China, welches durch die aktuelle Corona-Krise auf einem Tiefpunkt angelangt ist.

Das frisch angekündigte Sicherheitsgesetz Chinas für Hongkong hat für weitere Spannung mit den USA gesorgt, welche überlegen, Hongkong als Reaktion den vorteilhaften Sonderstatus abzuerkennen.

Es gab bereits Krieg

Der chinesische Außenministeriumssprecher Zhao Lijian versicherte, sein Land halte sich an bestehende Verträge. Die Lage in der Grenzregion zu Indien sei „allgemein stabil und kontrollierbar“. Beide Seiten stünden über ihr Militär vor Ort und ihre Botschaften in Kontakt, um wichtige Fragen durch Dialog und Konsultationen zu lösen.

Indien und China erheben an ihrer Grenze gegenseitige Gebietsansprüche. So betrachtet China den indischen Staat Arunachal Pradesh als Teil Tibets. Insgesamt beansprucht die Volksrepublik etwa 90.000 Quadratkilometer indischen Gebiets, was etwa der Größe Portugals entspricht. Indien wiederum reklamiert circa 38.000 Quadratkilometer chinesisches Territorium. 1962 führten die beiden Staaten deswegen Krieg gegeneinander.

Hintergrund der jüngsten Konfrontation könnte die Entscheidung Indiens vom vergangenen Jahr sein, Ladakh vom Bundesstaat Jammu und Kaschmir abzutrennen und zu einem Bundesgebiet zu erklären. China hat dagegen scharf protestiert.

AP/jmi