Covid-19: Konsumrausch macht Zwangspause

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Ein Schreckgespenst der Konsumbranche geistert durch Europa: Es geht nicht zum Essen, nicht ins Kino und sitzt in Trainingsklamotten vor dem Heimarbeits-Computer: Die Konsumenten in EU und Eurozone sind zwar etwas besser drauf als im Absturz-Monat April (GfK, EU Commission/Consumer Confidence +2,5/+3,2 Punkte). Aber die Bankeinlagen in ganz Europa steigen, da die Menschen wegen der wirtschaftlichen und sozialen Umwälzungen der Coronavirus-Pandemie mehr sparen. Keine grosse Stütze für die gebeutelte Wirtschaft, fürchten Ökonomen.

Die Sparzinsen in vier der fünf größten Volkswirtschaften Europas sind im März deutlich über den langjährigen Durchschnitt gestiegen, so kürzlich veröffentlichte Daten der Europäischen Zentralbank und der Bank of England.

CORONA ZWINGT ZUM SPAREN

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Französische Sparer legten im März fast 20 Milliarden Euro zur Seite – deutlich mehr als die langfristige durchschnittliche monatliche Veränderung der Bankeinlagen von 3,8 Milliarden Euro.

Auch italienische Sparer horteten im März 16,8 Milliarden Euro, so Daten der Europäischen Zentralbank EZB, fast das Fünffache des langfristigen Monatsdurchschnitts (3,4 Milliarden Euro).

Gleiches Bild bei den spanischen Haushalten: 10,1 Milliarden Euro gespart, vorher im Schnitt 2,3 Milliarden Euro.

Kommentar der EU-Kommission in ihrer Frühjahrsprognose:

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"Der private Verbrauch, seit mehreren Jahren das Rückgrat des Wirtschaftswachstums in Europa, dürfte in diesem Jahr sowohl in der EU als auch im Euroraum um etwa 9 % schrumpfen." Dieser starke Rückgang dürfte sich jedoch hauptsächlich auf das laufende Quartal konzentrieren: Wer sein Geld nicht ausgeben könne, der spare eben zwangsläufig....Aber

... die Unsicherheit über die Beschäftigungs- und Einkommensaussichten wird wahrscheinlich dafür sorgen, dass die Ersparnisse vorsorglich noch weit nach dem Ende der Kontaktsperren höher bleiben als vor der Krise."

MEHR ALS 3.000 EURO AUF DEM SCHRANK ODER UNTER DEM KOPFKISSEN

Die einzige Ausnahme auf der EU-Karte ist Deutschland.

Die Bankeinlagen in Deutschland gingen stark zurück, die Haushalte hoben Bargeld ab. Aber offenbar nicht, um es auszugeben, sondern als Ruhepolster. Die Deutschen neigen dazu, ihre Ersparnisse in einer Krise in bar zu halten, wie schon auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008. Laut Bundesbank stieg der Bargeldumlauf zwischen Ende Januar und Anfang Mai um 39,7 Milliarden Euro.

Wie eine Analyse (Barkow Consulting im Auftrag der ING Deutschland) zeigt, hat der Bargeldumlauf im März 2020 zugenommen. In der gesamten Eurozone betrug das Plus acht Prozent gegenüber dem Vorjahr. Von diesem entfallen laut Studie rund 20 Prozent oder sechs Milliarden Euro allein auf deutsche Privathaushalte. Dabei hatten deutsche Verbraucher bereits Ende 2019 insgesamt 253 Milliarden Euro als Bargeld zuhause. Das ist ein Anstieg von 31 Milliarden Euro gegenüber 2018. Im Schnitt hat demnach jeder Deutsche mehr als 3.000 Euro auf dem Schrank oder unter dem Kopfkissen.

su mit dpa, AP, AFP