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Frankfurt: Betroffene der Brandserie verlangen Aufklärung.© Dominique Leppin/picture alliance/dpa
Brandserie

Frankfurt: Betroffene der Brandserie verlangen Aufklärung

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Seit September 2018 brannte es immer wieder in alternativen Wohnprojekten und linken Zentren im Rhein-Main-Gebiet. Die Betroffenen setzen sich mit einer neuen Website für mehr Transparenz ein und drängen auf eine Aufklärung vor Gericht,

Dass es um Feuer geht, wird schon auf den ersten Blick klar. Ein ganzes Bündel lichterloh brennender Streichhölzer ist ganz oben auf der Webseite zu sehen, daneben steht sowohl in roten als auch in schwarzen Lettern das Wort „Feurio“. Die Seite, die erst vor wenigen Tagen ins Netz gestellt wurde, nennt sich „Rhein-Main-Doku“ und thematisiert die Brandserie bei alternativen Wohnprojekten und linken Kulturzentren im Rhein-Main-Gebiet zwischen Herbst 2018 und dem Sommer vergangenen Jahres.

Man wolle über die Brandserie informieren und den zu erwartenden Prozess gegen den mutmaßlichen Täter begleiten, heißt es auf der umfangreichen Seite, die auch ältere Pressemitteilungen der betroffenen Wohnprojekte, einen Pressespiegel und eine Chronologie enthält. Die Betreiber teilen mit, dass die Seite von Betroffenen der Brandserie und ihren Unterstützern erstellt werde. Schon vor Beginn eines Prozesses wolle man auf die Interessen der Betroffenen aufmerksam machen und ihre bereits in der Vergangenheit geäußerte Kritik erneuern, die Ermittlungsbehörden nähmen die Brandserie offenbar nicht ernst genug.

Zwischen September 2018 und Juli vergangenen Jahres hatte es mehrfach in linken Kulturzentren und alternativen Wohnprojekten in Frankfurt und der Region gebrannt, unter anderem im „Café Exzess“ in Bockenheim, in den Hausprojekten „Au“ und „Assenland“ in Rödelheim, im Kulturzentrum „Metzgerstraße 8“ in Hanau und im Wohnprojekt „Knotenpunkt“ in Schwalbach. Verletzt wurde bei den Bränden niemand, es entstand aber teils erheblicher Sachschaden. Die betroffenen Projekte hatten stets betont, dass sie die Brände als Teil einer Anschlagsserie verstehen.

Verdächtiger in Haft

Anfang Dezember vergangenen Jahres war dann ein damals 46 Jahre alter Frankfurter verhaftet worden, der für Teile der Serie und weitere Brandstiftungen verantwortlich sein soll. Er befindet sich seit seiner Verhaftung in Untersuchungshaft. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Frankfurt gegen ihn laufen noch, wie eine Sprecherin der Frankfurter Rundschau bestätigte. Bisher bestreitet er die Vorwürfe.

Auf ihrer neuen Internetseite listen die Betroffenen der Brände eine Reihe von Fragen auf, die aus ihrer Sicht geklärt werden müssen. So sei nicht klar, warum der Verdächtige erst im vergangenen Dezember verhaftet wurde, obwohl er bereits ein Jahr zuvor von Nutzern des Zentrums „Metzgerstraße 8“ auf frischer Tat ertappt und an die Polizei übergeben worden war. Außerdem wollen die Betroffenen mehr über die Ermittlungen der Polizei wissen und befürchten, dass die politische Dimension der Angriffe auf linke Projekte bei einem Prozess unter den Tisch fallen könnte.

Der ganze Fall solle „entpolitisiert“ werden, heißt es von den Machern der Website. Man werde einen möglichen Prozess auch mit Protesten kritisch begleiten, um das zu verhindern.