Venezolaner gegen iranischen Benzin-Import: "Ich will es nicht"

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Dieser Tanker birgt nicht nur Benzin, sondern auch diplomatischen Zündstoff: Die "Fortune" hat als erstes von fünf iranischen Schiffen nach der Überquerung des Atlantiks die Hoheitsgewässer Venezulas erreicht.

Über den Seeweg sollen insgesamt anderthalb Millionen Barrel Benzin in das Krisenland fließen, wo die Versorgungslage unverändert dramatisch schlecht ist.

Mit dem Import-Export-Geschäft bieten Venezula und Iran dem gemeinsamen Erzfeind USA offen die Stirn.

Der venezolanische Präsident Nicolás Maduro sagte in einer öffentlichen Ansprache: "Das Schiff `Fortune ist angekommen, das erste von fünf Schiffen, die Benzin und Ausrüstung bringen, um in Venezuela Benzin herstellen zu können. Dies ist ein Teil eines umfassenden globalen Kooperationsabkommens, das wir mit der Islamischen Republik Iran haben. Wir sind zwei friedliche Völker, die sich um ihre eigene Entwicklung kümmern. Zwei rebellierende Völker, zwei revolutionäre Völker, die niemals vor dem US-Imperialismus in die Knie gehen werden."

Zu kurze Rettungsleine?

Für die Regierung in Caracas ist die iranische Benzinlieferung eine wenn auch sehr kurze Rettungsleine, um mit der ernsten Treibstoffknappheit fertig zu werden, unter der das Land aufgrund des Verfalls seiner einst mächtigen Ölindustrie und des harten US-Embargos leidet. Die neuen Vorräte dürften nur für zwei bis drei Wochen ausreichen, meinen Experten.

Die Venezolaner müssen also wohl auch weiterhin schier endlose Warteschlangen bewältigen, um ihre Fahrzeuge aufzutanken. Was die Ankunft des iranischen Benzins betrifft, äußerten sich wartende Kunden an einer Tankstelle sehr skeptisch.

"Ich will es nicht"

Ein aufgebrachter Mann sagte: "Wir stehen seit Mitternacht Schlange, um Benzin tanken zu können, und warten auf den nächsten Tag, an dem wir gemäß unseres Nummernschildes an der Reihe sind. Für mich ist das iranische Benzin unnötig. Ich will es nicht. Ich will die einheimische Produktion. Meine eigene."

Ein anderer Autofahrer meinte: _"Und wenn dieses Benzin ankommt, stellt sich die Frage, welchen Preis sie dafür verlangen werden. Denn wenn sie den internationalen Preis aufrufen, wird niemand in der Lage sein, ihn zu zahlen."
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Durststrecke wird wohl anhalten

Ohne Benzin droht der Sinkflug der venezolanischen Wirtschaft weiterzugehen. Die große Frage ist, wie die Reaktion der Vereinigten Staaten ausfallen wird und ob sie die Fortsetzung dieser Lieferungen zulassen werden. Offen bleibt außerdem, wie die leeren venezolanischen Kassen es sich leisten können, iranisches Benzin zu bezahlen.