Corona-Todesfälle in Russland erreichen neuen Höchststand

Katastrophale Zustände in der abgeriegelten Stadt Machatschkala

Im Video: Arzt spricht über katastrophale Zustände

In Russland ist die Zahl der Corona-Toten innerhalb eines Tages auf einen neuen Höchststand gestiegen. Mit mehr als 353.427 Infizierten liegt das Land mit an der Spitze weltweit. Obwohl etwa die Hälfte aller Infizierten in Moskau verzeichnet werden, ist Dagestan im äußersten Süden Russlands derzeit Katastrophengebiet Nummer 1 in Russland. Das Besondere in Dagestan: Ärzte und Minister geben ganz offiziell zu, dass bei den Zahlen beschönigt und gelogen wird. Im Video spricht ein Arzt über die katastrophalen Zustände vor Ort.

3.633 Tote im Zusammenhang mit Sars-CoV-2

Landesweit gibt es laut der Johns-Hopkins-University aus den USA mittlerweile 3.633 Tote im Zusammenhang mit Sars-CoV-2 – das sind die offiziellen Zahlen. In der Stadt Machatschkala laufen viele Menschen ohne Masken herum, wie RTL-Reporter Niko Karasek berichtet. Dabei hat jeder, den er vor Ort anspricht, mindestens einen Todesfall durch Corona in seinem eigenen Familien- und Bekanntenkreis. "Die Situation – es funktioniert nicht", sagt ein Mann. "Es ist schlimm. Die Leute sollen sich selbst isolieren. Manche glauben nicht, dass es gefährlich ist. Auch in meiner Familie sind viele erkrankt. Mein Onkel ist gestorben."

95 Prozent der Bevölkerung sind Muslime, zu Hochzeiten, Feiern oder Moscheebesuchen gibt es immer noch riesige Menschenaufläufe.

Ärzte und Krankenschwestern hoffnungslos überfordert

Im städtischen Krankenhaus von Machatschkala sehen wir das Ergebnis der Leichtfertigkeit. In der roten Zone der Klinik sind die Ärzte und Krankenschwestern hoffnungslos überfordert. "Es ist hier wie im Krieg. Du lebst hier, hast keine freie Sekunde. Einfach mal rumsitzen, das gibt es nicht. Ihr seht da unsere Schwester – sie schläft praktisch nicht, unterhält sich nicht, sie ist die ganze Zeit beschäftigt", sagt der stellvertretende Chefarzt im Krankenhaus Machatschkala, Israfil Israfilow.

Besonders schlimm: in Russland und vor allem in Dagestan sterben im internationalen Vergleich besonders viele Pfleger und Ärzte an Corona. "In den Kliniken gab es am Beginn der Krise keine Ärzte - Krankenschwestern mussten sich um die Patienten kümmern und ihr Leben aufs Spiel setzen. Sie hatten keine Schutzkleidung, keine Medikamente – es war schlicht eine Katastrophe!", so Menschenrechtsanwältin Aida Kasimowa. Sie schätzt die Zahl der Toten allein in Dagestan auf über 2.000 – damit können die offiziellen Zahlen der Regierung nicht hinhauen. Mittlerweile hat die Regierung Dagestans ihr Versagen eingeräumt und Hilfe beantragt. Zumindest ein Hoffnungsschimmer in der Krise.

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