Kommentar

Ifo-Index steigt: Deutsche Unternehmen sind nicht in Verzweiflung erstarrt

Nach dem Corona-Absturz zeigen die Unternehmen in Deutschland wieder etwas Zuversicht. Das ist essenziell für einen neuen Aufschwung. 

by
https://www.handelsblatt.com/images/kraene-in-dresden/25858226/3-format2020.jpg
Kräne in Dresden

Der Bau steht nicht still, und auch andere Branchen schöpfen wieder Hoffnung auf bessere Zeiten.(Foto: dpa)

Berlin. Seit Mitte März und damit seit über zwei Monaten gibt es zur Konjunktur nur schlechte Nachrichten: Prognosen zur Entwicklung der Wirtschaftsleistung werden im Tagestakt nach unten korrigiert; nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Veranstalter verzweifeln, Branchen wie Tourismus und Gastronomie liegen im Koma. Exporte brechen ein, und die Verbraucher konsumieren nur verhalten, solange viele von ihnen in Kurzarbeit stecken.

Vor diesem Hintergrund ist es bemerkenswert, dass mit den Lockerungen der Corona-Beschränkungen sofort Hoffnung auf eine baldige Besserung in den Unternehmen eingekehrt ist. Das zeigt das Ifo-Geschäftsklima in Übereinstimmung mit den Umfragen des IHS-Markit-Instituts. Auch Befragungen des ZEW unter Börsianern weisen in dieselbe Richtung.

Zwar sind alle Mahnungen gut begründet. Und die leichten Erholungen der Stimmungsbarometer sind nicht mit einem Aufschwung gleichzusetzen. Die Besserungen sind gleichwohl ein Zeichen dafür, dass Deutschland nicht in Verzweiflung erstarrt ist. Der zuversichtliche Blick in die Zukunft ist die Voraussetzung dafür, dass Firmen vielleicht sogar noch in diesem Jahr wieder investieren und dass nach Beendigung der Kurzarbeit womöglich doch keine Massenentlassungen folgen.

Die wichtige Aufgabe der Bundesregierung ist nun, den Zuversichtlichen Rückenwind zu geben. Notwendig ist ein Konjunkturprogramm, das steuerliche Verluste von Unternehmen besser aufzufangen hilft, das die geschlossenen Branchen mit Zuschüssen stützt, das Modernisierung fördert und das vor allem Schulen und Kitas schnell in einen Corona-gerechten Arbeitsmodus bringt.

Genauso wichtig aber ist der Erfolg des von Merkel und Macron geplanten europäischen Marshallplans. Italien, Spanien und Frankreich, die schwerer von der Pandemie getroffen wurden, müssen sich im Gleichklang mit Deutschland erholen können.

Es geht dabei nicht allein um Solidarität, sondern auch um beinharte Wirtschaftsinteressen. Ohne ihre europäischen Vorlieferanten und Kunden kann sich die deutsche Industrie nicht aus der Rezession exportieren. Kein nationales Konjunkturpaket könnte den Ausfall der EU-Partner jemals ausgleichen.

Im Blick behalten muss die Politik auch das Virus – nicht zuletzt aus wirtschaftlichen Gründen. Denn die Angst vor einer zweiten Infizierungswelle, auch das zeigen die Stimmungsbarometer, dämpft den Optimismus.

Die „neue Normalität“ einer Wirtschaft mit Corona wird nicht leicht zu finden sein. Es mag nach der Mai-Erholung künftig auch wieder Rückschläge geben. Zumindest aber gegen eine sich selbst verstärkende Depression scheint Deutschlands Wirtschaft immun zu sein. Das ist ein starkes Hoffnungssignal.

Mehr: Erste Lockerungen sorgen für einen Hoffnungsschimmer: Ifo-Geschäftsklimaindex steigt