https://www1.wdr.de/radio/cosmo/programm/sendungen/radio-colonia/il-tema/telemedizin-138~_v-gseapremiumxl.jpg

NRW testet Telemedizin in Gefängnissen

by

Nordrhein-Westfalen testet in einigen Gefängnissen die ärztliche Behandlung per Internet. In sieben Justizvollzuganstalten (Aachen, Attendorn, Bielefeld-Senne, Herford, Werl, Hamm und Duisburg-Hamborn) werden Gefangene künftig auch per Telemedizin behandelt. Gerade in Zeiten der Coronakrise ließe sich so ohne Gefahren die Distanz zwischen Arzt und Patient überbrücken, sagte NRW-Justizminister Peter Biesenbach (CDU). Geplant war das Projekt aber bereits vor der Pandemie.

Bessere ärztliche Versorgung

Durch die Telemedizin soll die ärztliche Versorgung in den Gefängnissen verbessert werden. Denn die Zahl der ärztlichen Sprechstunden ist begrenzt. Immer weniger Ärzte wollen in Justizvollzugsanstalten arbeiten. Um trotzdem rund um die Uhr eine gute Versorgung zu gewährleisten, soll die Telemedizin die herkömmlichen Sprechstunden mit persönlichem Kontakt ergänzen.

Umgesetzt wird das Pilotprojekt nach europaweiter Ausschreibung vom Telemdizin-Dienstleister "A+Videoclinic" aus Hamburg. Der hat rund 60 Ärzte für den Pilotversuch abgestellt, die rund um die Uhr innerhalb weniger Sekunden per Videochat zuschaltbar sein sollen.

https://www.planet-wissen.de/sendungen/telemedizin-arzt-teaser-100~_v-ARDGrosserTeaser.jpg

In den Gefängnissen selbst halten zum Beispiel Pfleger das Stethoskop auf die Brust des Patienten – der Arzt kann dann aus seiner Praxis oder von zu Hause aus den Herzschlag per App abhören. Für Hautuntersuchungen gibt es hochauflösende Spezialkameras, die eine Diagnose ebenfalls per Internet möglich machen. Auch EKG, Pulsmesser und andere medizinische Geräte können demnach vor Ort im Gefängnis von Pflegern bedient werden. Der Arzt bekommt dann die Ergebnisse über das Netz und kann entsprechend die Therapie einstellen. Sogar psychiatrische Behandlungen sollen auf diesem Weg stattfinden.

Bei Erfolg Einführung in allen NRW-Gefängnissen

Durch die Behandlung übers Internet sollen auch teils aufwändige Gefangenentransporte in Praxen oder Kliniken seltener nötig sein. Ein ähnliches Projekt hatte Baden-Württemberg bereits vor zwei Jahren für seine Gefängnisse gestartet. 93% der Behandlungsfälle seien dabei per Telemedizin abgeschlossen worden, nur in 7% der Fälle sei einen Behandlung durch einen Arzt vor Ort notwendig geworden.

Die Pilotphase in NRW dauert anderthalb Jahre und kostet gut eine Million Euro. Wenn der Versuch erfolgreich verläuft, soll es danach in allen Gefängnissen in NRW Telemedizin geben.

https://www1.wdr.de/nachrichten/rheinland/laschet-virtuelles-krankenhaus-start-uniklinikum-aachen100~_v-ARDGrosserTeaser.jpg
https://www1.wdr.de/verbraucher/gesundheit/selbstdiagnose-internet-100~_v-ARDGrosserTeaser.jpg
https://www.planet-wissen.de/gesellschaft/medizin/gesundheitssystem/gesundheitssystem-app-markt-100~_v-ARDGrosserTeaser.jpg