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Anne-Elisabeth Hagen
© EPA/HANDOUT

Norwegen: Rätselhafte Entführung einer Millionärsgattin

Kann es sein, dass die Ehefrau ihre Verschleppung nur vorgespielt hat, um dem Ehemann ein Verbrechen anzuhängen?

Tom Hagen (70) ist einer der reichsten Männer Norwegens. Mit seiner Elektrizitätsfirma soll er ein Vermögen von 190 Millionen Euro angespart haben. Doch seit dem 31. Oktober 2018, als seine Ehefrau Anne-Elisabeth Hagen (68) verschwand, steht er im Verdacht, seine Frau entführt und ermordet zu haben. Womöglich mithilfe von Komplizen.

Ende April wurde Tom Hagen verhaftet, aber bereits Anfang Mai wieder freigelassen.  Es lassen sich keine handfesten Beweise finden gegen ihn und einen anderen Mann, der sein mutmaßlicher Komplize gewesen sein könnte.

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Tom Hagen (70)© Bild: EPA/Torbjørn Olsen / GD / NTB scanpi

Die norwegische Polizei, die sich in diesem Kriminalfall recht zugeknöpft gibt, hat nun einen abwegigen Verdacht. Könnte es sein, dass die Millionärsgattin nach fast 50 gemeinsamen Ehejahren ihren Mann  verlassen  hat und ihm als späte Rache auch noch ein Verbrechen  umhängen wollte? Beging sie Selbstmord? Oder fing sie ein neues Leben an?

Sicher ist, dass das Paar „eine turbulente Beziehung“ geführt hat und Anne-Elisabeth Hagen mehrmals mit ihrem Auszug gedroht hatte.

Am Tag ihres Verschwindens hat sie in der Früh noch mit einem Familienmitglied telefoniert.  Als ihr Mann am Nachmittag aus seiner Firma nach Hause kam, war die Ehefrau weg.  

Das eher bescheidene Haus in Fjellhamar in der Nähe von Oslo war leer. Hagen fand aber einen Erpresserbrief: Er sollte neun Millionen Euro in einer Kryptowährung überweisen, sonst würde seine Frau getötet und ein Video davon ins Netz gestellt.

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Das Haus der Hagens© Bild: APA/AFP/NTB Scanpix/TERJE PEDERSEN

Tom Hagen rief  die Polizei. Zehn Wochen ermittelten die Beamten verdeckt, nicht einmal die Nachbarn durften erfahren, dass Anne-Elisabeth Hagen verschwunden war. Tom Hagen  musste den Schein wahren, und so als wäre nichts geschehen weiter täglich in seine Firma fahren.

Als sich die Entführer nicht meldeten, machte die Polizei im Jänner 2019 die Geschichte öffentlich und bat die Bevölkerung um Mithilfe.

Tom Hagen stand zu diesem Zeitpunkt bereits unter Verdacht.

 Die Kinder des Paares sind von der Unschuld ihres Vaters überzeugt, und auch die Mitarbeiter halten ihren schrulligen Chef  für unfähig, eine Entführung vorgetäuscht zu haben.

Tom Hagen hat nie das Leben eines reichen Mannes geführt, er fährt keine protzigen Autos, sein Haus war nicht einmal durch eine Alarmanlage gesichert.

Und, was besonders schwer wiegt:  Er kann weder Computer bedienen noch hat er ein Smartphone.  Der Mann lebt analog.

 Es wäre schon ziemlich ausgefuchst, würde ein erklärter Technikverweigerer eine Lösegeldforderung in Kryptowährung inszenieren.

Die Ermittler stellen sich nun die Frage, wie es in der Ehe des Paares ausgesehen habe: „Turbulent“, heißt es offiziell. Freunde des  Paares beteuern, dass Anne-Elisabeth Hagen vor ihrem Verschwinden zur Abwechslung einmal wieder glücklich gewesen sei. Das Paar wirkte zuletzt harmonisch. Auch das nur eine Inszenierung?

Das Ehepaar hatte zwar einen Ehevertrag, doch norwegische Juristen glauben, dass Tom Hagen  im Falle einer Scheidung für seine Frau tief in die Tasche hätte greifen müssen.

Ob Anne-Elisabeth Hagen während ihrer Ehe Geld zur Seite geräumt hat, ist nicht bewiesen. Ihr Mann schöpfte jedenfalls keinen Verdacht.

In Norwegen spricht man in diesem Krimi bereits jetzt vom größten Kriminalfall der jüngeren Geschichte. Ausgang ungewiss.

 

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