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Lest hier Kapitel 29 des Fußball-Krimis "Abpfiff" von Udo Röbel.

"Abpfiff – der Betzenberg-Krimi" von Udo Röbel - Kapitel 29: Das schöne Ende

Der nächste Teil von "Abpfiff – der Betzenberg-Krimi": Heute Kapitel 29, in welchem wir zu einem schönen Ende kommen, der FCK endlich mal wieder gewinnt und der Feldkamp an einen neuen Glücksbringer glaubt.

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Abpfiff - der Betzenberg-Krimi: KAPITEL 29

Der Feldkamp ist außer sich. Wütend auf diesen zynischen Sapina. Wütend auf sich selbst. Und wütend, dass ihm diese Geschichte immer mehr über den Kopf wächst.

Was hat der Sapina da gerade gesagt? Der Mann im Hubertushof soll kein Killer gewesen sein? Will der mich zum Affen machen?

„Ich weiß, dass sie mir nicht glauben, Herr Feldkamp“, fährt der Herr Sapina fort. „Ich weiß, dass Sie sich von mir verarscht fühlen. Aber zählen Sie doch einmal die Fakten zusammen, dann müssen Sie doch auch zu dem Schluss kommen, dass das mit diesem Killer gar nicht mehr nötig gewesen wäre oder zumindest noch nicht, so wie der Prozess dann gelaufen ist. Oder hat das der Herr Ilgmoser Ihnen nicht erzählt?“

Der Feldkamp gibt sich gleich die Kugel. Ist er wirklich so blöd, wie der Sapina gerade angedeutet hat. Haben ihn seine Fantasien wirklich so überrannt, dass er nicht mehr klar denken kann? Und warum spricht der Sapina plötzlich so anders. Gar nicht mehr mit diesem arroganten Unterton. Ja, fast schon sympathisch hört der sich an.

„Dieser Zocker von Sandig. Der war ja fast schon vom Galgen abgeschnitten nach dem ersten Prozesstag. Weil in der Anklageschrift, die der Staatsanwalt verlesen hat, wider Erwarten nicht ein Wort stand von einem Geheimfach. Und in den Ermittlungsakten auch nicht. Weil sich offenbar auch bei der Kripo niemand die Mühe gemacht hatte, den Koffer noch einmal genauer zu untersuchen. Weil die sich wiederum einfach auf den Zoll und dessen Ermittlungsbericht verlassen haben. Die haben sich nur darauf konzentriert, das Umfeld des Geldkuriers zu ermitteln und woher das Falschgeld stammt. Ja, an diesem Abend im Hubertushof hat der Sandig quasi schon seinen Sieg gefeiert.“

Jetzt muss der Feldkamp doch einigermaßen schlucken und sich selbst an den Kopf fassen. Ja, wenn das so gewesen ist, mussten diese Hintermänner immer noch glauben, dass ihr richtiges Geld weiterhin in dem Koffer lag – und damit auch dem Sandig und seinen Unschuldsbeteuerungen. Ihm das Gegenteil beweisen, konnten sie auf jeden Fall nicht.

„Gut, Herr Sapina“, murmelt er schwach. „Ich gebe mich geschlagen. Aber der Mann im Hubertushof. Wenn das wirklich kein Killer war, warum sollte er dann auf den Sandig aufpassen?“

„Weil es einer meiner Leute war, Herr Feldkamp“, sagt der Herr Sapina und kann gerade noch das Wasserglas auffangen, das sein Anwalt in einer hektischen Handbewegung umgestoßen hat.

„Und weil der Sandig für mich ein Spiel verpfeifen sollte …“

Ich weiß nicht, wie es euch gerade geht, Leute. Aber ich vermute mal ganz genau so wie mir, als mir der Feldkamp das später erzählt hat. Jetzt doch wieder Wettbetrug? Jetzt doch wieder Wettmafia? Was soll denn das jetzt schon wieder? Aber am besten ist, wir hören dem Sapina einfach weiter zu.

„Ich weiß, dass mein Rechtsanwalt gerade vielleicht einen Herzinfarkt kriegt. Ich weiß, dass Sie das gerade nicht fassen können, wie ich mich vielleicht um Kopf und Kragen rede. Gell, Herr Ackermann? Aber ich habe dem Herrn Feldkamp versprochen, ehrlich zu sein. Und ich vertraue darauf, dass er das für sich behält. Auch deshalb, weil er genauso ein treuer Fan vom FCK ist wie ich. Und wie es momentan um unseren geliebten FCK bestellt ist, wissen wir beide ja zur Genüge. Nicht wahr, Herr Feldkamp? Wie soll das weitergehen mit unserem Betze? Was ist, wenn die sogar noch in die 4. Liga müssen? Wenn sie da überhaupt noch spielen dürfen. Weil sie dann vollends pleite wären und die Insolvenz beantragen müssten. Und wer ist denn noch da, der den FCK jetzt retten könnte? Wenn ich vorhin von Leuten gesprochen habe, von Leuten, von denen Sie wahrscheinlich Schlimmes annehmen, Herr Feldkamp, dann gehören da auch Leute dazu, denen der FCK genauso am Herzen liegt wie mir. Und unter meiner Federführung hat sich da inzwischen so eine Art Vor-Investoren-Kreis gebildet, eine Gruppe von Wohlgesonnenen, die auch die entsprechenden Mittel hätten, um den FCK dauerhaft zu sanieren. Wäre das nicht herrlich, Herr Feldkamp? Der Betze wieder in der Bundesliga. Vielleicht einmal sogar wieder Champions League wie damals gegen Madrid?“

Wenn der Feldkamp bisher geglaubt hat, dass der Sapina ein Sausack, ein Drecksack, ein ganz ausgekochter Schweinehund ist, gehen ihm jetzt langsam weitere Schimpfworte aus. Jetzt versucht der sogar, sein FCK-Herz für sich einzunehmen. Da können einem wirklich die Worte fehlen.

„Ja, das wäre natürlich schön“, sagt er schließlich. „Aber was hat das alles mit dem Sandig zu tun und damit, dass er Spiele manipulieren sollte? Um noch mehr Geld zu machen mit manipulierten Wetten?“

„Wer spricht denn von Wettbetrug? Die Zeiten sind doch eh vorbei. Das Geschäft ist doch viel zu riskant geworden, so wie die Fußballverbände sensibilisiert sind inzwischen. Das ist doch höchstens noch was für die Chinesen, die zu weit weg sind, um sie zu kriegen. Und wer spricht denn von Spielen? Nein. Der Sandig sollte für mich nur ein Spiel verpfeifen, nämlich das, das er hätte auf dem Betzenberg leiten sollen, das dann aber abgesagt werden musste nach seinem plötzlichen Ableben. Weil das drei sichere Punkte im Abstiegskampf hätten sein können, weil das die momentane Lage des FCK etwas entspannt hätte.“

„Und dass das alles so wie gewünscht läuft, dafür haben sie dann ihren Aufpasser in den Hubertushof geschickt?“

„Genau. Der sollte nur ein Auge darauf haben, dass uns der Sandig nicht aus dem Ruder läuft, dass der nicht mit tausend Promille Restalkohol auf dem Betzenberg aufläuft. Und deswegen war mein Mann eigentlich heilfroh, dass der aufhören musste mit dem Saufen an der Bar, weil er plötzlich die Scheißerei gekriegt hat. Und oben auf dem Zimmer hat er ihm sogar noch zwei Beruhigungstabletten gegeben, dass der runterkommt von dem vielen Kokain, dass er sich an diesem Tag schon reingezogen hatte. Tja, und dann ist es halt passiert. Noch zu dem Zeitpunkt, als mein Mann mit ihm auf dem Zimmer war. Der Sandig hatte sich – Entschuldigung, wenn ich das so drastisch sage, Herr Feldkamp – endlich genug ausgekotzt und ausgeschissen und sich brav in sein Bett gelegt, und alles wäre gut gewesen. Aber dann hat er plötzlich die Augen verdreht, mitten bei dem Versuch, noch einmal zu telefonieren, hat noch einmal kurz aufgestöhnt, und dann war er tot.“

Hm, denkt der Feldkamp. Man kann ja gegen den Sapina haben, was man will. Aber nicht nur seine Geschichte, sondern auch der Tod von dem Sandig erscheint immer plausibler: Wodka, Champagner, Kokain. Illegales Viagra, „Betzefeuer“ mit Glaubersalz – und jetzt auch noch Tranquilizer … Wenn das einen Mann nicht umhaut, weiß ich auch nicht.

So eine Bombengeschichte, denkt der Feldkamp wehmütig. Und keine einzige Zeile darüber kann er schreiben. Weil er sie nicht belegen kann, diese bizarre Geschichte. Weil auch er sie zu seiner Zeit als Chefredakteur jedem Reporter um die Ohren gehauen hätte, der damit angekommen wäre. Schleich dich! Denk dir was Besseres aus!

Bleibt ihm eigentlich nur, die letzte Frage zu stellen, die noch offen ist: „Und was war mit dem Koffer? Warum hat ihr Mann den mitgehen lassen? Waren da vielleicht die 200000 Euro drin?“

Mit Genugtuung sieht der Feldkamp, wie das Gesicht von dem Sapina in sich zusammenfällt.

„Scheiße“, flüstert er. „Sie glauben, der Koffer von dem Sandig hat auch einen doppelten Boden gehabt?“

„Was heißt glauben“, antwortet der Feldkamp und legt ein bisschen Triumph in seine Stimme. „Ich bin mir sogar ziemlich sicher. Erstens kannte sich der Sandig mit solchen Koffern aus, wie Sie ja selbst gesagt haben, Herr Sapina. Zweitens: Wo hätte er sein Geld denn sonst verstecken sollen? Übrigens nicht nur die 200000, sondern auch das Geld, das er vor- und auch nachher kassiert hat für seine speziellen Dienste. Auf die Bank konnte er es nicht bringen. Zu Hause konnte er es auch nicht aufbewahren. Da musste er jederzeit mal mit einer Razzia rechnen. Nein. Das Beste für ihn war, es immer am Mann zu haben und damit auch immer sofort verfügbar, wenn er sich bei seinen Auswärtsspielen wieder einmal vergnügen wollte.“

„Und drittens?“, fragt der Sapina aufgeregt.

„Und drittens“, macht der Feldkamp jetzt seinerseits mal eine kleine Kunstpause und nimmt erst einmal genüsslich einen Schluck von seinem Bier, „und drittens, weil er den doppelten Boden schon vor dem Diebstahl der 200000 Euro für sich genutzt hatte. Um nämlich seine kleinen anderen Geheimnisse darin zu verstecken.“

„Ach, davon wissen Sie auch, Herr Feldkamp? Das mit der Damenwäsche und dem anderen Zeug? Aber wieso lag das dann alles sichtbar oben in dem Koffer und nicht in dem Geheimfach? Der Koffer stand ja ganz offen herum in dem Zimmer vom Sandig. Und das war auch der Grund dafür, dass mein Mann ihn mitgenommen hat, nachdem der Sandig plötzlich tot war. Der wollte verhindern, dass das auch andere sehen. Und schon gar nicht die Polizei. Die wäre ja dann vielleicht auf völlig unnötige Gedanken gekommen.

„Ja, mein lieber Sapina“, perlt es dem Feldkamp jetzt von den Lippen. „Warum wohl lagen die Spielsachen von unserem Sandig obenauf? Vielleicht hatte er sie an diesem Abend schon einmal bereitgelegt für die Frau von Lewitz, die er noch erwartete. Und einfach deshalb, weil für sie kein Platz mehr da war in dem Geheimfach. Der Sandig hatte umpacken müssen. Es war ihm wichtiger, sein Geld vor fremden Augen zu schützen als eine hübsche Auswahl von Damenwäsche. Aber sagen Sie mir noch eines: Wo ist der Koffer denn jetzt?“

„Irgendwo zwischen Neustadt und Memmingen“, sagt der Sapina kleinlaut. „Weil ich meinem Mann dann gesagt habe, er solle ihn lieber ganz verschwinden lassen, bevor er vielleicht doch noch in falsche Hände gerät …“

Und das war der Augenblick, in dem unser Feldkamp dann doch wieder richtig lachen konnte an diesem Abend. Nicht so laut wie der Sapina vorhin. Aber fast so lang.

Lachen bei dem Gedanken, dass sich der oberschlaue Herr Sapina selbst um ein wohl nicht unerhebliches Sümmchen geprellt hat.

Lachen bei dem Gedanken, dass ein harmloser Spaziergänger demnächst vielleicht einen Koffer mit Trillerpfeifen und Damenwäsche findet.

Und Lachen über die Ironie des Schicksals, dass der arme Kevin mit seinem Glaubersalzcocktail am Ende genau das verhindert hat, was er sich am sehnlichsten wünschte: einen „Sieg“ seines FCK und drei wichtige Punkte im Abstiegskampf.

„Darf ich erfahren, warum sie gerade so lachen, Herr Feldkamp?“, fragt der Herr Sapina zu guter Letzt.

„Nein, Herr Sapina“, hat der Feldkamp da geantwortet. „Das erzähle ich Ihnen vielleicht ein anderes Mal.“

***

Habe ich gerade „zu guter Letzt“ gesagt?

Nee, ganz fertig bin ich natürlich noch nicht.

Weil ich euch noch erzählen muss, wie der Feldkamp dann aufgestanden ist, um endlich wieder eine zu rauchen, draußen vor dem Restaurant Dubrovnik. Aber bevor er sich eine von den letzten drei Zigaretten anzündet, die noch in seiner Schachtel sind, schaut er auf die Uhr: schon zehn Minuten über die normale Spielzeit. Jetzt kann er es wagen, auf seinem Handy nachzuschauen, wie es ausgegangen ist. Weil auch die Nachspielzeit jetzt vorbei sein müsste, die dem FCK in dieser Spielzeit so oft schon das Genick gebrochen – und ihn in ein brutales Wechselbad der Gefühle gestürzt hat. Von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt.

Tor in der Nachspielzeit!

Aber diesmal endlich auch einmal für den Betze!

Gewonnen!

1:2!

Hat er das nicht gewusst? Waren die drei Würfelzucker und die drei Zigaretten nicht ein gutes Omen gewesen?

Als der Feldkamp nach seinem roten Feuerzeug in der Hosentasche sucht, spürt er zwischen seinen Fingern das rote Spitzenhöschen der Frau von Lewitz. Mist! Das hat er immer noch nicht entsorgt. Aber da vorn ist ein Mülleimer. Da wird er es jetzt reinwerfen.

Oder doch nicht?

Der Feldkamp wäre nicht unser Feldkamp, wenn ihm auf dem Weg zur Tonne nicht noch was anderes eingefallen wäre.

Der alte Meistertrainer Udo Lattek nämlich und sein blauer Pullover. Hat der dem nicht auch Glück gebracht? Sogar 14 Spieltage lang?

Und dann schickt der Feldkamp eine Frage in den Nachthimmel von Memmingen: „Könnte dieses rote Höschen vielleicht auch ein Glücksbringer für unseren FCK sein?“

Die Antwort kommt postwendend. Begleitet von einem Wetterleuchten, das urplötzlich am Horizont aufleuchtet.

„Bist Du jetzt eigentlich total bescheuert, Feldkamp!“, schimpft die Stimme des Fußballgotts in seinem Kopf. „Was hast Du noch mit dem Sandig und seinem Höschen am Hut? Sei froh, dass der den FCK nicht mehr verpfeifen kann!“

„Ist ja gut“, entschuldigt sich unser Feldkamp kleinlaut und öffnet die Tonne. „Ist ja schon gut. War ja nur eine Frage …“

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