Autopreise krachen zusammen: Minus 40%

Neuwagen zu Dumpingpreisen wie noch nie. Sogar speziell bestellter BMW ab Fabrik wird Schnäppchen. Deflation, stupid.

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Der BMW ist ein sogenanntes Bestellfahrzeug. Ein Kunde hat das Luxusauto via seinen Zürcher Garagisten in Bayern nach seinem eigenen Gusto bestellt, mit allem, was ihm lieb ist.

Nun ist der Wagen ab dem Band gerollt – und über den Garagisten bereits mit einem unglaublich anmutenden Rabatt zu haben.

Statt den 170’000 Franken, wie das in der Offerte abgemacht war, steht der BMW für gut 95’000 zum Kauf.

Minus 44 Prozent.

Der Fall mag speziell sein. Der Besteller wollte genau seine Farbe, sein Interieur, seine Elekronik, allen Schnickschnack. Dann hat er es sich offenbar anders überlegt – und bietet das Auto nun zum Dumpingpreis an.

Doch hinter dem Einzelfall steht eine ganze Industrie. Die Autoindustrie. Die ist am Anschlag. Volkswagen scheiterte beim Hochfahren der Produktion. Hertz ist Pleite.

In der Schweiz berichten Gesprächspartner von einem riesigen Angebotsüberhang. „Derzeit stehen Hunderte Neuwagen auf der Halde“, sagt einer.

Nicht nur Autos der Luxusklasse, die nun vielen Gutverdienenden oder Möchtegern plötzlich zu teuer sind, warten auf Abnehmer.

Die Rabatte ziehen sich vielmehr durch alle Grössen und Modelle.

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Wer will mich? (IP)

Beispielsweise ein Opel, Modell Astra, 1,4 Liter Turbo, mit Automat. Der Wagen hat 50 Kilometer auf dem Zähler, einmal aus der Garage also.

Neupreis: 40’690 Franken. Kaufpreis aktuell: 25’990 Franken. Abschlag: 36 Prozent.

Ein langjähriger Kenner des Autogewerbes sprach schon vor ein paar Wochen von einem neuen Zustand der Wirtschaft, der sich in seiner Branche früh zeigen würde:

Deflation.

Der Käufer sei am längeren Hebel. Wer kaufe jetzt schon schnell ein Auto, neu oder gebraucht?

Keiner, denn alle würden davon ausgehen, dass die Preise in ein paar Monaten tiefer wären.

So sein Argument. Die Rabatte von rund 40 Prozent, vom Mittelklasse-Opel bis zum Spezial-BMW, stützen die These.

Deflation, und dies bei Notenbanken, die keine Grenzen mehr kennen beim Fluten mit Neugeld?

Klingt unglaubwürdig, könnte aber zutreffen; zumindest bei Autos und anderem, bei dem man mit Käufen zuwarten kann.

Was man hingegen braucht, das steigt im Preis: Essen, Gesundheit, Energie.