https://www.welt.de/img/bildergalerien/mobile205844611/9662504867-ci102l-w1024/Eisberge-in-der-Antarktis.jpg
In bisherigen Prognosen zum Meeresspiegelanstieg spielte die Antarktis keine große Rolle

Quelle: dpa/Liu Shiping

Forscher erklären Antarktis zum „größten Risiko für den Meeresspiegel“

Im schlimmsten Fall drohe ein Anstieg des Meeresspiegels um 58 Zentimeter in den nächsten 80 Jahren: Eine neue Studie berechnet, wie stark ein mögliches Abschmelzen des antarktischen Eispanzers die Ozeane beeinflussen würde.

Die Folgen der Eisschmelze in der Antarktis für den Anstieg des Meeresspiegels könnten bereits in diesem Jahrhundert deutlich stärker ausfallen als bisher erwartet. Laut der neuen Studie eines internationalen Wissenschaftlerteams könnte bis zum Jahr 2100 allein dieser Faktor einen Anstieg um 58 Zentimeter bewirken. Darauf wies am Freitag Leitautor Anders Levermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) hin.

Allerdings gibt es bei den Prognosen der Experten hinsichtlich der Antarktis eine große Bandbreite. Bei unvermindertem Treibhausgasausstoß liege der wahrscheinliche Effekt für den Anstieg des Meeresspiegels zwischen sechs und 58 Zentimetern, heißt es in der Studie. Gelinge es dagegen, die Emissionen rasch zu verringern, liege die Spanne zwischen vier und 37 Zentimetern.

„Der Antarktis-Faktor erweist sich als die größte Unbekannte, aber dadurch auch als das größte Risiko für den Meeresspiegel weltweit“, erklärte dazu Levermann. Er betonte, die neuen Forschungsergebnisse lieferten vor allem wichtige Informationen für den Küstenschutz. Eine hohe Wahrscheinlichkeit gibt es demnach, dass der Wert von 58 Zentimetern nicht überschritten wird.

„Je mehr Computersimulationsmodelle wir verwenden, die alle leicht unterschiedliche dynamische Repräsentationen des antarktischen Eisschildes sind, desto größer ist die Bandbreite der Ergebnisse, die wir bekommen – aber desto robuster sind auch die Schätzungen, die wir der Gesellschaft liefern können“, erklärte Ko-Autorin Sophie Nowicki vom NASA Goddard Space Flight Center. Zwar gebe es „immer noch große Unsicherheiten“, doch sei es gelungen, das Verständnis des größten Eisschildes der Erde beständig zu verbessern.

Meeresspiegel könnte noch weit höher steigen

Auf längere Sicht, also in den kommenden Jahrhunderten bis Jahrtausenden, hat das Abschmelzen des antarktischen Eisschildes der Studie zufolge das Potenzial, den Meeresspiegel um mehrere zehn Meter anzuheben. „Was wir mit Sicherheit wissen ist, dass das Verbrennen von Kohle, Öl und Gas die Risiken für die Küstenmetropolen von New York bis nach Mumbai, Hamburg oder Shanghai weiter in die Höhe treibt“, warnte Levermann.

Bisherige Prognosen zum Anstieg des Meeresspiegels aufgrund der globalen Erwärmung berücksichtigten vor allem die thermische Ausdehnung des sich erwärmenden Meerwassers sowie schmelzende Gebirgsgletscher als wichtigste Faktoren für den Anstieg des Meeresspiegels. Auch das Abschmelzen des grönländischen Eisschilds spielt eine Rolle. 

Den jetzt in der Zeitschrift Earth System Dynamics der Europäischen Geowissenschaftlichen Union (EGU) veröffentlichten neuen Forschungsergebnissen zufolge dürfte jedoch der Anteil der Antarktis bereits in absehbarer Zeit zum wichtigsten Faktor werden.

Alle Faktoren zusammen ergeben dann das Gesamtrisiko des Meeresspiegelanstiegs. „Die Einbeziehung der anderen Beiträge zum Meeresspiegelanstieg von Grönland, Gebirgsgletschern und der Ausdehnung der Ozeane kann zu einem Meeresspiegelanstieg bis zu 150 Zentimeter führen“, sagte Levermann mit Blick auf den Zeitraum bis Ende des Jahrhunderts.

In den zurückliegenden 100 Jahren hatte es einen Anstieg um insgesamt etwa 19 Zentimeter gegeben.


Was uns ein klimaneutrales Leben kosten würde

Nicht nur Heizen und Autofahren tragen zu CO2-Emissionen bei. Auch das Schnitzel in der Mittagspause oder das neue Paar Turnschuhe fürs Joggen hinterlassen einen CO2-Fußabdruck. Wie viel genau das jeweils ist, weiß allerdings kaum jemand.

Quelle: WELT

AFP/sos


Umweltschutz
Sie macht Plastikmüll zu Rohstoff